Freundschaft.

Freundschaft. Freundschaft ist im Moment das Thema, was in meinem Leben immer wieder und auch am häufigsten auftaucht. Oft habe ich das Gefühl, dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, was eine Freundschaft eigentlich ausmacht. Auf die Frage, was denn für sie selbst ausschlaggeben, oder sagen wir wichtig ist kommt oft ein Straucheln und ein zurückrudern, da die Leute um mich herum sich eigentlich noch nie richtig damit befasst haben.
Was ist Freundschaft? Laut Wikipedia, und ja mir ist bewusst, dass mich jetzt einige dafür verteufeln werden, bedeutet Freundschaft folgendes: Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander,das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet…Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften. Natürlich stimme ich in dem Punkt der Sympathie und Vertrauen zu. Ohne Sympathie kann kein Grundstein für eine Freundschaft gelegt werden, oder nur ganz selten. Denn irgendwo verbinden sich Menschen und meist ist es der Punkt der Sympathie, denn oft ist es etwas angenehmes, oder positives, oder gar eine Gemeinsamkeit, was dem Gegenüber auffällt und den ersten Schritt setzt, um eine Freundschaft einzugehen. Aber das sagt auch der logische Verstand, denn Leute die wir nicht mögen, abscheulich finden, oder ähnliches, die nehmen wir nicht in unseren Freundschaftskreis auf. Fassen wir also zusammen: Sympathie ist ein Teil des Grundsteines, der vorhanden sein sollte, wenn man eine Freundschaft eingehen möchte.
Der nächste Punkt spricht ein sehr heikles Thema an. V E R  T R A U E N. Laut Duden hat dies folgende Bedeutung: Festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit einer Person, Sache. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder erlebt, wie unverlässlich Menschen sein können, wie sie oft nur ihre Vorteile nutzen, aber der eigentliche Mensch ihnen vollkommen egal ist. Man kann nicht leugnen, dass man aus Freundschaften immer Vorteile heraus zieht, aber auch dies hat Grenzen. Nämlich dann, wenn man ausgenutzt wird, oder man keine Kompromisse eingeht, oder wenn einen die Freundschaft krank macht. Mir ist das in den letzten Wochen immer und immer wieder passiert, dass Freundschaften mich krank gemacht haben, dass ich nur ausgesaugt wurde, dass man als menschliches Wesen mit Gefühlen vollkommen ignoriert wurde, dass man sich nicht einmal die Mühe gemacht hat das Gegenüber zu verstehen, oder kennen zu lernen. Ja Freundschaften muss man updaten. Man bleibt nie auf den gleichen Stand, wie man sich kennen gelernt hat. Der Mensch verändert sich und das immer und immer wieder. Er entwickelt andere Interessen, andere Bedürfnisse, andere Gewohnheiten. Denn im Wandel zu bleiben ist etwas Gutes, und Gesundes. Jedoch bin ich sehr geprägt davon, dass Menschen immer nur haben und haben und haben wollen. Geprägt davon, dass ich immer der Buhmann bin, dass ich falsch bin, oder keine Ahnung hätte, oder ich Menschen herablassend behandle. Doch wie kommt es dazu? Vertrauen. Oder sagen wir eher: Nicht vorhandenes Vertrauen. Jedoch wäre das zu einfach, denn zu dem Vertrauen gehört ein ganz wesentlicher Punkt, nämlich: Verlässlichkeit. Und dies ist wohl der Punkt an dem ich immer am meisten eingebüßt habe. Leute versprechen einen Sachen, oder sagen einem Sachen zu und dann, wenn es soweit ist dann wird man fallen gelassen. Menschen bieten Unterstützung an, obwohl sie nicht mal wissen, wie genau sie das bewältigen wollen und genau da fangen die Fehler an. Klar kann man sich zusammen entwickeln und gemeinsam Dinge bewältigen. Auch ich habe solche Fehler begangen, aber ich habe daraus gelernt. Weil es wird darauf vertraut, dass man sein Wort hält. Und ich laufe viele Male auf unter null und ich rapple mich auf, bin da höre zu, gebe Rat, und das alles, obwohl ich keine eigene Kraft mehr habe. Doch ich bin da, immer 24/7.

Personen, die mit mir eine Verbindung eingehen wissen, dass sie mich immer anrufen können egal ob tagsüber oder nachts. Sie wissen, dass ich sie bei jeden Vorhaben unterstützen werde, sofern es mir möglich ist. Sie wissen, dass ich da bin, dass ich sie niemals im Stich lasse, dass ich aufrichtig und ehrlich bin. Dass ich Feind und Freund zugleich bin. Denn das ist wichtig. Menschen, die einem nach dem Mund reden braucht man nicht, denn Freunde sollten auch immer Kritiker sein. Sie sollten einem auch mal was an den Latz knallen können, ohne dass man dann ein halbes Jahrhundert beleidigt oder nachtragend ist. Doch auch das habe ich schon erlebt. Menschen, die ewig und ewig nachtragend sind, die partout nicht verzeihen können. Warum das so ist möchte ich hier gar nicht ausführen. Doch was erwarten wir von unserem Gegenüber? Oder anders, was erwarte ICH von meinem Gegenüber?

Vielleicht sollte ich dies einfach mal auflisten.

  • Ehrlichkeit
  • Verlässlichkeit
  • Verschwiegenheit
  • Erreichbarkeit
  • Unterstützung
  • Verstanden sein
  • Geborgenheit
  • Interesse am Tun und Sein
  • Kritik
  • Einfühlsam
  • Nachsichtig
  • Herzlichkeit
  • Fair
  • Respektierend
  • Treu
  • Rat gebend
  • Dankbar
  • Motivierend
  • Unperfekt
  • Auf Augenhöhe
  • Hang zur Selbstlosigkeit
  • Nicht wertend (obwohl das schwierig ist)
  • Zeit haben

Möglicherweise kommt es mir auch nur so vor, aber ich habe oft das Gefühl, dass die Menschen Freundschaften als selbstverständlich sehen, und weniger dankbar dafür sind, dass jemand da ist und Zeit spendet und in diese ganze „Beziehung“ investieren möchte. Oft bin ich nur der Abfalleimer für die Sorgen und Probleme meines Gegenübers, doch wenn ich dann einmal redebedarf habe, dann hat man plötzlich keine Zeit, oder andere Dinge sind wichtiger. Ja, ich bin enttäuscht von so manchen. Und ich habe mich oft gefragt, ob meine Ansprüche zu hoch sind, ob ich wirklich so falsch bin, oder zu schwierig, zu fordernd mit dem, was ich mir wünsche…
Nein, ich bin es nicht, denn es sollte selbstverständlich sein tiefe und lange Gespräche zu führen. Es sollte selbstverständlich sein (sofern möglich) zusammen mal ins Kino zu gehen, zu kochen, wegzufahren, gemeinsame Momente zu teilen, sowohl in den eigenen vier Wänden als auch außerhalb. Es ist normal, dass man seine Freunde überrascht, von der Arbeit abholt, sie dann und wann zum Essen einlädt, ihren Kühlschrank voll macht, wenn sie gerade Geldprobleme haben. Ja verdammt, es sollte selbstverständlich sein mit ihnen Riesenrad zu fahren, wenn es sie glücklich macht und man selbst viel zu viel Angst davor hat. Sollte selbstverständlich sein, Dinge von ihnen zu teilen damit sich ihre Reichweite verbessert. Doch noch selbstverständlicher sollte es sein sie in den Arm zu nehmen, deutlich zu machen, dass da jemand ist, der sie unterstützt, der ihnen die Hand hinreicht und hält auch wenn es schwierig ist, der sie liebt, wenn sie gerade am Verzweifeln sind. Jeder von uns möchte wahrgenommen und wertgeschätzt werden und jeder Mensch auf diesem Planeten verdient das. Und ja zu Freundschaften gehört auch dazu, dass man verrückte Dinge mit macht, unmögliche Dinge mitmacht, oder versucht, dass sie möglich werden können. Und ja verdammt es gehört auch dazu, dass man sich anschreit, sich kabbelt, sich mal ein „blaues Auge“ haut, die Tür vor der Nase zuknallt und ein, zwei Wochen nicht mehr miteinander redet, aber es gehört auch dazu, dass man dann wieder sagt: „Hey. Hey du. HEY DU MENSCH. Du bist mir wichtig.“ Es gehört dazu Dinge zu klären, auch wenn das viele, viele Tränen beinhaltet.
Jedoch gibt es da noch etwas ganz wichtiges, was unsere Gesellschaft ein wenig verlernt hat. Es gehört dazu zusammen zu schweigen und Stille auszuhalten. Rumsitzen und nichts tun, denn das ist Gold wert. Das ist eines der kleinen Dinge, die mir in Freundschaften sehr fehlen. Zusammen Sein. Ich fahre dafür mittlerweile hunderte von Kilometern um genau DAS zu erleben. Ich weiß noch, wie ich früher mit meiner besten Freundin zusammen saß und wir Musik hörten, oder ein Buch gelesen haben und wir nicht miteinander gesprochen habe, aber wir waren zusammen und das war wichtig.

Wir vergessen einander zu beobachten, nur zu beobachten, weil wir die Stille nicht mehr aushalten können, weil wir weglaufen vor dem, was uns zurück zu uns selbst führt. Zurück in die Ruhe und dem was wir eigentlich sind. Fühlende, kreative Wesen mit einem Verstand und einem unglaublichen Ideenreichtum. Oft vergessen wir bewusst zu atmen und damit uns selbst zu fühlen. Man ist abgestumpft und unerfüllt und auch ich kämpfe manchmal jeden Tag dagegen an, genau so zu sein. Weil es ist nicht der echte Teil von einem selbst. Wir hangeln uns von Attraktion zu Attraktion, weil wir Angst vor uns selbst haben. Angst vor unserem eigenen Potential, und während wir uns so hangeln merken wir nicht wie weit wir uns von denen, die wir lieben entfernen und immer einsamer werden. Wir verlieren uns und die, die uns wichtig sind. Dabei wollen wir doch nur eines: Lebendigkeit und GEMEINSAM Momente erleben. Wir wollen lachen, spielen, ernstgenommen werden und anerkannt als jemand, der nicht perfekt ist. Der Macken hat, der „komisch“ ist, aber dieses Komische ist doch nur ein anderes Wort für jemand, der ein Unikat ist. Und das sind wir alle, weil wir atmen, denken und weil niemand gleich ist. Und doch haben wir solche Angst und Zweifel, dass wir dem anderen nicht gefallen könnten. Doch man muss nicht jedem gefallen. Das ist nicht Ziel unseres Lebens. Ziel sollte es sein Leute zu finden, den man vertrauen kann, mit denen man Spaß haben kann, neue Dinge entdecken kann, aber vor allem mit denen man zusammen dieses Leben bestreiten kann, denn es macht Spaß dieses leben und es ist unglaublich schön. Horchen wir mal genau in uns hinein können wir hören, wie es pulsiert mit jeder Sekunde und wir sollten das Unvorstellbarste daraus machen, was möglich ist. Dazu gehört es auch aufeinander zu achten und sich gegenseitig zu respektieren, zu unterstützen, zu überraschen und zu verzeihen. Aber vor allem gehört dazu sich für die Menschen zu entscheiden für die man wirklich wichtig ist und die einen wertschätzen, weil sie wirklich an dem Gegenüber interessiert sind, wie er denkt und tickt und wie er das Leben sieht, oder was ihn interessiert. Denn nur dadurch kann eine gute und ehrliche Freundschaft existieren, und auch wenn man manche Dinge nicht so mag, denn wir können nicht alle dasselbe mögen, dann sollte man dies sagen, aber nie aufhören sich wenigstens die Sachen des anderen mal anzuschauen, denn man selbst kennt sich nie ganz und durch die stetige Veränderung kann man trotzdem anderes entdecken und seinen Horizont erweitern. Und wer weiß vielleicht ist es übermorgen schon wieder anders und man hat eine neue Gemeinsamkeit, die man teilen kann.

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