Monologe in der Straßenbahn.

Weißt du ich mag es, dass ich ein Stück zu klein bin und in der Straßenbahn mit den Beinen baumeln kann, wenn ich auf dem Sitz sitze. Ich mag dieses Gefühl nicht ganz am Boden zu sein. Es ist wie dazwischen sein nicht ganz da und nicht ganz hier. Im Schwebezustand. Es macht einen so leicht. Im Herzen. Es macht das Herz leicht. Ich werde es nie genau erklären können, aber vielleicht verstehst du es irgendwann. Du kannst es vergleichen mit den Nachtlichtern die an einem vorbei ziehen. Sie berühren einen und doch kann man sie selbst nicht greifen.
Ich mag die Monologe die ich mit dir führe, die Monologe die du nie hören wirst, weil zwischen uns so viele Kilometer liegen und du meine Stimme auf die Entfernung nicht hören kannst. Schon allein weil diese Stimme nur in meinem Inneren ist, in meinem Kopf und sie nie einen Weg nach draußen finden wird. Und doch erzähle ich dir so viel, so unendlich viel. Weil es mir wichtig ist und mir ein gutes Gefühl gibt, wenn ich nachts alleine durch die Straßen laufe. Ich habe dann das Gefühl dich bei mir zu haben. Habe das Gefühl du hörst mir zu auch wenn ich keine Antwort bekomme, aber ich stelle auch keine Fragen.
Weißt du nachts ist die Welt ein bisschen schöner finde ich. Sie ist viel sanfter weil alles nicht so grell ist, nicht so vollgestopft von hektischen Gefühlen. Man selbst ist auch viel leiser und die Berührungen sind viel intensiver, weil die Dunkelheit einen empfindlicher macht. Aber was erzähle ich dir du weißt das doch alles. Alles weißt du, weil ich dir nichts neues mehr erzählen kann. Ich mit meinen 112 Vierteljahren.
Manchmal vermisse ich es deine Hand zu halten, vermisse es in deinen Armen zu liegen und zu spüren wie du einfach nur da bist, wie du dich an mich drückst, wie du mich festhältst weil wir nur diesen einen Augenblick haben. Nur diese wenigen Stunden.
Und doch wenn ich so durch die Nacht streife merke ich wie nah ich dir doch sein kann, wie meine Worte mich näher zu dir bringen, wie ich dich fast greifen kann, wie deine Lippen fast meine berühren.
Das Geräusch des vorbeifahrenden Busses holt mich zurück in die Wirklichkeit und ich muss lächeln, weil ich so verliebt bin, weil ich Sterne im Herzen trage und diese leise, aber mächtig vor sich her glimmen. Und ich weiß eines Tages ist das ein einzig großer Stern in meinem Herzen der explodiert wie eine Supernova und dann wird er aufleuchten ein letztes Mal und es wird gigantisch. Vielleicht gibt es dich dann noch auf dieser Welt, in diesem Leben, in meinem Leben, vielleicht aber auch nicht, nicht mehr in meinem, aber in diesem Leben allgemein. Ich weiß das nicht, obwohl ich schon so alt bin weiß ich das nicht, aber ich muss das auch nicht wissen. Doch ich weiß, dass ich dich halten will so lange ich kann. Ich weiß, dass es schön mit dir ist. Das ich gerne mit dir zusammen bin.
Weißt du vorhin saß ich mit einem Menschen zusammen der mir wirklich sehr viel bedeutet und der mit einer der größten Bereicherungen in meinem ist. Und wir saßen da in der Stadt die sich klein Paris nennt, auf dem Boden, saßen in den Regentropfen, die sich einen Weg vom Himmel zum staubigen Boden bahnten. Und ich habe wieder einmal gemerkt wie wichtig mir diese Person ist, wie es gut tut mit genau dieser im Regen zu sitzen und zu reden, weil man sich nah war und das bedeutet mir so unglaublich viel. Man ist da füreinander auch wenn das bedeutet mitten in der Nacht quer durch die Stadt zu fahren und ich mach das gerne für diese Person, weil ich ihr eine Menge zu verdanken habe, weil ich sie unglaublich gern habe. Dieses Gefühl im angehenden Regen zu sitzen hatte etwas von Heimat. Etwas von angekommen sein und es hat mich so unglaublich glücklich gemacht und auch davon möchte ich dir erzählen, weil es mir wichtig ist, dass du das weißt. Das du weißt, dass es die einfachen kleinen Dinge sind die mich lächeln lassen und ich saß da und habe viel gelächelt weil ich wusste ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Und jetzt? Jetzt bin ich angekommen bei meiner Wohnung. Eine die sich füllen wird mit Wunder und genau jetzt schalte ich gleich das Licht aus und krabble unter die Decke. Zu dir. Weil es im Moment das schönste Gefühl für mich überhaupt ist. Das Wissen du bist da und ich kann mich jederzeit an dich rankuscheln, das Wissen, dass, obwohl du schon schläfst, trotzdem auf mich gewartet hast bis ich nachkomme. So gebe ich dir einen Kuss und suche dich im Land der Träume um dich in meine Arme zu schließen damit wir unter all den Sternen miteinander tanzen können bis der Morgen uns wieder küsst.

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